Zukunft der Arbeit

Veränderung der Arbeitswelt - aus Krisen lernen.

„Nichts ist so beständig, wie die Lage Änderung“

So lautete einst der Leitspruch meines Mentors. Und heute – viele Jahre später – wird mir beim Blick in die Zeitung, Nachrichten oder sozialen Netzwerke einmal mehr bewusst, wie viel Wahrheit in diesem Satz steckt.
Wie wird sich unsere Gesellschaft – beruflich oder privat – verändern?

Aus Fachkreisen, der Politik und dem Bundeskanzleramt heißt es, wir befinden uns in der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg. Für mich, als Kind der 90er Jahre ein beängstigendes Statement. Gestern kannte man Warenknappheit, Ausgangsbeschränkungen etc. nur aus Geschichtsbüchern oder Erzählungen der Eltern und Großeltern (die Krieg oder die DDR am eigenen Leib miterlebt haben), heute ist vieles davon bedrohlich nahe gekommen. Und selbst wenn es den meisten von uns noch gut geht – irgendwie macht es Angst.

Als Gegenpol füllen sich die Phrasenschweine dieser Welt von Tag zu Tag mehr und mehr. Förmlich platzen sie aus allen Nähten.
Sätze wie „wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen“ oder „jede Krise ist eine Chance“ werden mantraartig geprädigt. Erstes Kommunikationsmittel in diesen Zeiten: Das Internet, das scheinbar letzte sichere Kommunikationsmittel in Bezug auf die Gesundheit.

Auch wir sind natürlich ununterbrochen damit beschäftigt die gesamten Entwicklungen zu erfassen, zu analysieren und unsere Schlüsse daraus zu ziehen. In unserem Bremer Labor (Work15) zum Thema: „arbeiten in der Zukunft“ haben wir eine Menge gelernt über den Verlauf von Veränderungen und deren weitreichenden Auswirkungen. Durch den Austausch mit vielen Besuchern war es uns möglich, einen tiefen Einblick in die „Gedankenwelt“ verschiedenster Unternehmen zu erhalten.

Wie ein Tsunami.

Eines war schon vor Corona Allen klar: Veränderung kommt, und keiner kommt drum herum. Doch Was sich vorher wie eine große Welle langsam am Horizont aufbaute, traf nun binnen 14 Tagen wie ein Tsunami auf unternehmerisches Festland.

Mit unbändiger Gewalt wurden Zweifel, Bequemlichkeit und Bürokratie weggespült und wichen oftmals Orientierungslosigkeit und chaotischem Aktionismus.
Noch nie wurden so schnell Entscheidungen getroffen. Noch nie Digitalisierungsprozesse so wichtig wie jetzt. Noch nie die Nachfrage und Interessenlage für dezentrales Arbeiten und mehr Flexibilität in den eigenen Prozessen so groß.
Gesamte Unternehmen wurden kurzerhand seziert und umverteilt. Oberstes Ziel: den Betrieb aufrecht zu erhalten, soweit es der Markt und die Gegebenheiten zulassen.

Unsere Erkenntnisse aus der Vergangenheit, wie sich Unternehmens als räumliches bzw. physisches Konstrukt für eine solche Situation besser vorbereiten, waren auf einmal gefragter denn je. Doch nun fehlte es an Zeit, die für solch elementare Prozesse wichtig ist. In Zukunft wird es leicht sein, weitere Gründe zu finden, um sich mit diesen Prozessen nicht zu beschäftigen … wie sagt man so schön? „Irgendwas ist schließlich immer!“. Und selbstverständlich scheinen viele Sachen erstmal viel wichtiger für den Fortbestand des Unternehmens zu sein. Nun ja, … bis die nächste Welle rollt, das Nachbeben rüttelt oder ein heftiger Sturm aufkommt.

Das Internet als Heilsbringer.

Gott sei Dank gibt es das Internet. In dieser Krise scheinbar die einzige Möglichkeit sozial nicht komplett zu vereinsamen und unternehmerische Prozesse ganz einfach „in die Cloud“ zu packen. Meeting via Skype, Abstimmung via Teams, Projektmanagement via Jira. Alles kein Problem. Aber eben nur dann, wenn diese Prozesse integriert, etabliert und vor allem die richtigen für Ihr Unternehmen sind.

Klar: wir als „Experten für räumliche Veränderungsprozesse“ können augenscheinlich erst einmal so gar nichts zu diesem Thema sagen. Die physische Welt des Raumes trifft auf die abstrakte Welt der digitalen Daten. Dabei ist doch so offensichtlich, dass das Eine ohne das Andere nicht funktioniert. Denn solange die Daten von einem Menschen betrachtet, verarbeitet oder genutzt werden, bedarf es auch einem Ort, an dem er sich physisch aufhält. Und dieser Ort muss die bestmögliche Unterstützung sein, für die Aufgaben, die hier vollbracht werden sollen.

Kommando zurück; weiter wie vorher!

Ein Thema, welches wir in dem Kontext sehr genau betrachten ist, dass viele Mitarbeiter nicht einfach zurückkommen und so weiter machen wie bisher. Antworten wie „Home-Office ist nicht möglich weil…..“ sind auf einmal kaum zu halten. In der Krise ging es doch schließlich auch. Die Erkenntnisse der aktuellen Ereignisse werden hier deutlich zeigen, was in Zukunft möglich ist bzw. sein muss.

Zwangsläufig wird sich dann die Funktion und auch die Aufmachung eines Unternehmensstandortes grundlegend verändern. Der „sozialen Marktplatz“ wie er im New Work Konzepten schon lange Bestandteil ist, wird wichtiger denn je. Er ist unabdingbar, um die (neuen) digitalen Strukturen mit Leben zu füllen und gibt Nahrung für die sozialen Begehren der Menschen.

Den Raum nur zur Verrichtung von Tätigkeiten wird es in dieser Fülle nicht mehr geben. Kosten, die hier gespart werden, können anders eingesetzt werden. Studien zeigen: ein Großteil der Arbeitnehmer ist bei gewissen Arbeiten im Home-Office deutlich produktiver. Effektiveres Arbeiten bietet Raum für längere Erholungsphasen, welche wiederum mehr Konzentration zulassen, wenn es drauf ankommt. Insbesondere für junge Arbeitnehmer stellt diese Form des eigenverantwortlichen Arbeitens einen echten Mehrwert dar. Und nun ist diese zwangsverordnet Zeit auf einmal gekommen. Die oben beschriebenen Chancen müssen auf einmal genutzt werden.

Die Erkenntnisse der Corona-Krise zügig aufzuarbeiten und eine zukunftsfähige Strategie zu entwickeln; darauf kommt es jetzt an! Denn denken Sie dran:„Nichts ist so beständig, wie die Lage Änderung“

Ein Beitrag von René Weber:

René Weber ist Businessroom Escorting Fachberater und begleitet  Unternehmen bei Change-Prozessen hinsichtlich Raum, Technologie und Mensch